Seltsame Medienberichterstattung nach den Anschlägen in Brüssel


Als ich gestern ins Büro kam, machte mich mein Kollege schon darauf aufmerksam, was in Brüssel geschehen war. Im Laufe des Tages wurden die Zahlen der Toten und Verletzten konkreter, das Bild der Verdächtigen wurde veröffentlicht und die Entdeckung weiterer Sprengsätze und der Flagge der Terrorirganisation wurde bekannt. Bis abends war es dann weitestgehend das, was an Informationen bekannt war. 

Jetzt stellt sich die Frage, was man zur Primetime noch senden soll. Auf jeden Fall müssen es Brennpunkte und Spezialsendungen sein, in denen dann verstörte Betroffene und natürlich Berichterstatter und Terrorexperten zu Wort kommen, und die dann darüber spekulieren dürfen, ob und wann es denn spätestens in Deutschland zu einem Anschlag kommen wird. Und zum Glück findet sich dann auch noch ein Tweet, der genau das ankündigt. Weil das aber nicht reicht, muss jetzt auch noch mit Nachdruck und wiederholt nachgefragt werden, wie es denn sein kann, dass die belgische Polizei vier Monate benötigen konnte, einen geflüchteten Terroristen zu fassen. Man bekommt das Gefühl, im falschen Film zu sitzen und stellt sich unwillkürlich die Frage, warum so schlaue Journalisten nicht einfach mal selbst nach Belgien auf die Suche gehen. 

Vor einigen Monaten hatte ich ein Gespräch mit einem Nato Offizier, der einige Jahre in Brüssel gelebt hat. Ohne hier ins Detail gehen zu wollen, kann ich resümieren, dass Brüssel eine der kriminellsten Städte in Europa sein dürfte und ich mich dorthin freiwillig niemals begeben werde. Insofern wundert es mich auch nicht, dass sich dort einige Terrorzellen befinden könnten. 

Dann erklärt uns der Terrorexperte wie kompliziert es sei, solch „koordinierte Anschläge zu verüben“. Und das, obwohl die Anschläge zeitlich eine Stunde versezt waren. Ich frage mich worin die Kompliziertheit bestehen soll, entweder einen oder zwei Anschläge zu verüben. Wenn ich das Fahndungsfoto sehe, stelle ich mir die Frage, ob der dritte tatsächlich dazu gehörte (wir kennen ja nur das Bild und nicht die Sequenz, ob die sich unterhalten haben, etc. pp.). Zwei tragen einen Handschuh, der dritte nicht. Insbesondere wirkt der dritte so völlig anders, evtl. verkleidet? Wie wäre es denn, wenn er derjenige war, der den Anschlag in der U-Bahn verübt hätte? Zeitlich könnte das passen. Aber das ist alles spekulativ, wie die ganze Berichterstattung an diesem Abend. 

Gerade als ich das hier schreibe, entblödet sich ein Radioreporter nicht zu fragen, wie „unter den Augen der Sicherheitsbehörden weitere Anschläge vorbereitet werden konnten?“. Ich gewinne gerade den Eindruck, dass der Erkenntnisgewinn durch den Konsum von sogenannten Nachrichten und Berichterstattungen in den nächsten Tagen sehr gering sein dürfte. Offensichtlich ist jetzt die Zeit aber auch bald reif, nach mehr Überwachung zu rufen. 

Ich glaube, das Leben ist schöner, wenn man sich nicht von solchen Nachrichten den Tag vermiesen lässt. Über Ostern geht’s nach Südtirol, darauf freue ich mich.

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3 Kommentare zu „Seltsame Medienberichterstattung nach den Anschlägen in Brüssel

  1. Und mich hat meine eigene Reaktion erschrocken, als ich den Fernseher angemacht habe und genervt (!) festgestellt habe: „Oh man, schon wieder ein Brennpunkt.“ Dabei ist ein Terroranschlag fast vor der Haustür bestimmt eine Sondersendung wert. Aber irgendwie wird diese Form der Berichterstattung in den letzten Monaten doch arg überstrapaziert, so empfinde ich es jedenfalls. Da war schon manchmal die Frage: „Was kommt denn heute im Fernsehen?“
    „Keine Ahnung, aber vielleicht erstmal ein Brennpunkt.“
    „Wieso? Ist was passiert? “
    „Nee, aber kann ja trotzdem sein, irgendwas ist zur Zeit ja immer, Flüchtlinge, Terror, Schulden,…“

    Aber Du hast Recht, man hat das Gefühl, als wüssten die Medien langsam nichts mehr „draufzusetzen“. Als reichte es nicht, einfach nur zu berichten. Und dann immer dieses schizophrenen: Es ist schon fast bei uns, die Mutter am deutschen Flughafen hat Angst, Deutschland hab acht, aber ihr braucht doch keine Angst haben, hier ist alles super sicher, Polizeischutz verstärkt, obwohl natürlich 100% Sicherheit gibt es nie! Was soll das???

    Ich hoffe jedenfalls auf eine Brennpunkt-freie Osterzeit und wünsche Euch viel Spaß in Südtirol!

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