Germany Burning – Die Wurzel des Hasses


Im November 2014 gab es bei der ARD eine „Woche der Toleranz“. Zu dieser Zeit hatte ich einen Film von 1988 aufgenommen, den ich bisher zwar vom Namen her kannte, jedoch noch nicht gesehen hatte. Da ich wusste, dass es sich dabei um ein schwieriges Thema handelt, das man nicht mal so nebenbei als Popcornkino genießen kann, habe ich mich lange davor gedrückt, den Film anzusehen. Solche Darstellungen wecken in mir die niederen Instinkte, Rassisten genau das anzutun, was sie anderen an Leid bereiten. Am Wochenende hatte ich endlich den Kopf dafür frei und musste feststellen, dass der Film an Aktualität leider nichts eingebüßt hat.

Mississippi Burning spielt in den 1960er Jahren in den Südstaaten der USA. Drei Bürgerrechtler werden nachts von Anhängern des Ku-Klux-Klans ermordet und verscharrt. Im Zuge der Ermittlungen des FBI werden im Laufe des Films immer wieder Schwarze verprügelt, aufgehängt, Farmen und Wohnhäuser angezündet. Insbesondere die nächtlichen Brandanschläge wecken starke Assoziationen zu den schon bald täglich gemeldeten brennenden Asylunterkünften in Deutschland.

Beim Betrachten der Bilder im Film versuche ich mir auszumalen, was in den Köpfen der Brandstifter vorgeht. Mehr als abgrundtiefe Verachtung mag ich dafür nicht aufbringen. Ich stelle mir vor, wie sich diese vermeintlich staatstreuen Bürger zusammentun, wie sie sich gegenseitig in ihrem Hass bestätigen und ihnen keine noch so verwerfliche Tat moralische Bedenken bereitet.

Ein in den Nachrichten dargestelltes brennendes oder abgebranntes Gebäude wirkt so harmlos. Man ist schon froh, wenn es sich dabei um ein noch nicht bezogenes Wohnheim handelt, und man mag sich nicht vorstellen, welche Ängste die Menschen auszustehen haben, die in bewohnten Unterkünften feigen Anschlägen ausgesetzt waren.

Was treibt die Täter um, dass sie sich aktiv dazu entschließen, nachts loszuziehen und Brandanschläge zu verüben? Sich über etwas aufzuregen oder eine fremdenfeindliche Meinung zu haben ist eine Sache. Aber nachts einen Anschlag zu verüben heißt, dass man sich einige Zeit vorher einen Plan zurecht gelegt haben muss. Man muss sich überlegt haben, welchen Brandbeschleuniger man einsetzt, man wählt eine Zeit, zu der man eigentlich zuhause ist und schläft. Solche Taten passieren nicht im Affekt, da wurden vorher schon Grenzen übertreten. Vielleicht werden diese kranken Gedanken in Gruppen geboren, die sich einig sind, „dass dagegen etwas getan werden muss“, und einer oder mehrere werden losgeschickt, die Anschläge auszuführen. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als das, was in dem Film Mississippi Burning dargestellt ist, abgrundtiefer irrationaler Hass.

Der einzige Unterschied zu den Brandanschlägen in Deutschland mag sein, dass die lokalen Polizeibehörden kein Auge zudrücken. Alles andere entspringt denselben niederen Motiven dieser Unmenschen. Mississippi Burning endet damit, dass den rassistischen Verbrechern offenbar nicht anders beizukommen ist, als auf rechtsstaatliche Methoden zu verzichten und den Tätern Folter anzudrohen. Damit wurden aber die Beweise anfechtbar und die Täter kamen aufgrund dessen um eine Anklage wegen Mordes herum. Sie wurden nur auf Basis von „Bürgerrechtsverletzungen“ zu max. 10 Jahren verurteilt.

In einer Demokratie müssen wir Stellung zu diesem antisozialen Verhalten beziehen. Die Politiker mögen sich davor hüten, die Anzahl der brennenden Unterkünfte als Indikator für einen weit verbreiteten Unmut in der Bevölkerung fehl zu interpretieren. Damit hätten diese Brandstifter und Kriminellen genau das erreicht, was sie bezwecken möchten, nämlich ihre Einzelmeinung der gesamten Bevölkerung unterzuschieben.

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