Bildet Facebook ein Monopol?


Schon als Google+ ins Leben gerufen wurde, hegte ich die große Hoffnung, dass sich die Sozialen Netzwerke auch untereinander vernetzen würden und so die Marktmacht von Facebook gebrochen würde. Ich verlieh dem Ausdruck darüber, indem ich in meinen Blog-Header die Formel [g+f=1] (Google+Facebook=1) schrieb. Dieser Wunsch ist bis heute nicht erfüllt worden, und es sieht im Moment auch nicht danach aus, dass sich das über absehbare Zeit ändern wird. Die diesen Netzwerken zugrundeliegenden Geschäftsmodelle widersprechen primär solchem Ansinnen. Die beiden Hauptursachen dieses Problems lauten Insellösung (das Gegenteil von Interoperabilität) und Zentralisierung.

Das generelle Problem von Insellösungen

Man stelle sich folgendes vor: als Kunde eines Mobilfunkbetreibers A möchte ich mit meinen Freund, der Kunde beim Mobilfunkbetreiber B ist, telefonieren. Dazu muss ich aber erst Kunde bei diesem Mobilfunkbetreiber B werden, mich also dort registrieren. D. h. ich müsste auf meinem Handy zwei SIM Karten installieren, um andere Netze zur Kommunikation nutzen zu können. Unvorstellbar in der heutigen Zeit, denn die Netze der Mobilfunkanbieter sind interoperabel. Bei Sozialen Netzwerken gibt es keine Interoperabilität! Das gilt nicht nur für Facebook und andere Soziale Netzwerke sondern auch für die sog. Messenger, also WhatsApp und Co. Nachrichten können mit diesen Anwendungen nur innerhalb des eigenen Netzwerkes ausgetauscht werden (Insellösung). Für den Benutzer bedeutet es in der Konsequenz, dass er sich eben in mehreren Netzen registrieren muss, um Kontakt zu allen halten zu können.

Das Bemerkenswerte daran ist, dass insbesondere die IT sich in den letzten Jahrzehnten bewusst weg von Insellösungen entwickelt hat, sich gleichzeitig aber insbesondere durch die neuen Web-Technologien die Softwarelösungen aufgrund der Geschäftsmodelle zum genauen Gegenteil entwickelt haben. So gesehen ein – wenn auch nachvollziehbarer – technologischer Rückschritt.

Die Macht der Zentralisierung

Benutzer sozialer Netzwerke bezahlen kein Geld für die Nutzung der Infrastruktur sondern sie bezahlen mit der Preisgabe persönlicher Informationen, die von den Anbietern der Netzwerke – vereinfacht ausgedrückt – in Geld umgewandelt werden. Damit sie das können, müssen u. a. die Informationen zentral von einem Unternehmen zusammengefasst, auswertbar und verknüpfbar sein. Uns wird permanent suggeriert, wie wichtig oder sinnvoll diese zusammengefassten Informationen für uns seien („… das könnte Sie auch interessieren“, „… andere Kunden haben das auch gekauft“, etc.). Oder anders ausgedrückt: wir wissen mehr über Dich als Du selbst. Heute stand in der Zeitung, Amazon wolle sich Teile des Luftraums über Großstädten sichern lassen, damit sie im Stadtgebiet binnen zwei Stunden Bestellungen mittels Drohnen zustellen können. Dass sie durch den Überflug auch viele andere Informationen sammeln können, scheint auf den ersten Blick nur ein Nebeneffekt zu sein, aber diese an zentraler Stelle gesammelten Informationen können im Guten wie im Schlechten von wem auch immer verwendet werden.

Die Konsequenzen von Zentralisierung und Insellösungen

Was in der Praxis passiert, ist deutlich zu erkennen. Die Masse der Menschen organisieren sich in Facebook, die Masse der Nachrichten werden mittels WhatsApp ausgetauscht. Neulich erzählte mir jemand, dass die Kinder in einer anderen Familie konsequent von Fernsehen und Internet abgehalten würden. Doch neuerdings besäße die ältere Tochter ein Smartphone, weil sie in der Schule mangels Facebook und WhatsApp praktisch völlig ausgegrenzt wurde. Die Eltern mussten sich also dem sozialen Druck beugen und Facebook kann sich über ein neues Mitglied freuen. Die vermeintliche Freiheit, sich in mehreren Netzen zu registrieren, existiert faktisch nicht, weil die unterschiedlichen Netze untereinander keine Nachrichten austauschen können. Gleichzeitig steigen die Nutzerzahlen bei Facebook und immer mehr Informationen laufen bei einem großen Wettbewerber zusammen.

Bildet Facebook ein Monopol?

Die Frage lässt sich mit bisherigen Denkansätzen nicht beantworten. Die Literatur definiert ein Monopol als die gewinnmaximierende Preis-Mengen-Kombination mit dem Nebeneffekt, dass der Monopolist die Menge reduziert und damit den Preis nach oben treibt. Soziale Netzwerke verlangen für deren Nutzung kein Geld. Die Preise könnten sich allenfalls auf die Kosten der Werbetreibenden beziehen. Und was würde in diesem Modell der Menge entsprechen? Die der Information oder gar die Nutzerzahlen? Klingt alles etwas kurz gegriffen.

Das Modell des Monopols basiert auf der klassischen Preistheorie und ist in einer Zeit entstanden, wo noch von drei Wirtschaftssektoren (primär=Rohstoffgewinnung, sekundär=Produktion und tertiär=Dienstleistungen) ausgegangen wurde. Nach der sog. Quartärhypothese wird ein vierter Bereich definiert, der als Informationssektor bezeichnet wird. Dort muss man Unternehmen und Branchen einsortieren, die eben nicht in den ersten drei Bereichen angesiedelt werden können. Denn wesentlich bei den klassischen Sektoren ist die Geografie, also der Standort! Das Internet jedoch ist global organisiert, Informationen und Informationstechnologien können standortunabhängig produziert, gehandelt und ausgetauscht werden. Klar scheint nur zu sein, dass das gebündelte Wissen über die Nutzer eine enorme Marktmacht darstellt, was sich letztlich im Aktienkurs widerspiegelt. Angesichts der Benutzerzahlen die Facebook weltweit verzeichnet, könnte zumindest in diesem Bereich der Sozialen Netzwerke von einem Quasi-Monopol gesprochen werden. Wettbewerb ist der Hebel, der einem Monopol entgegenwirken kann und der muss ggf. gesetzlich durchgesetzt werden.

Die Lösung lautet Interoperabilität und Dezentralisierung

Um einen besseren Wettbewerb auch zwischen den sozialen Netzwerken und den Messengern zu ermöglichen muss zuerst die Interoperabilität per Gesetz hergestellt werden. Dies wäre – zumindest in Deutschland – durch die Bundesnetzagentur zu überwachen. Dadurch kann sich jeder erst einmal anhand subjektiver Kriterien entscheiden, welchem Netzwerk er angehören möchte. Durch die Interoperabilität können die Informationen (Nachrichtenströme) auch zwischen den Netzwerken geteilt werden. Kontakte können sich über die Netzwerkgrenzen hinweg verbinden.

Im zweiten Schritt muss eine Dezentralisierung von Informationen stattfinden, die insbesondere im Bereich der privaten Kommunikation durchaus sinnvoll und deren Schutz grundgesetzlich verankert ist. Dezentralisierung bedeutet in diesem Modell, dass die Daten nicht beim Betreiber des Sozialen Netzwerks zusammen laufen, sondern bei den Benutzern liegen. Im Zusammenhang mit der Interoperabilität kann man dann auch entscheiden, mit welchen anderen Netzwerken man seine Daten und Informationen teilen möchte. Personenbezogene Daten dürfen nicht von staatlichen Institutionen gesammelt und gespeichert werden (Stichwort Vorratsdatenspeicherung), sondern auch und insbesondere von privatwirtschaftlichen Unternehmen nicht! Es müssen Möglichkeiten geschaffen werden, die dem Benutzer erlauben genau festzulegen, wer Zugang zu seinen Informationen erhält und ob und wie lange diese Daten gespeichert werden dürfen. Es ist klar, dass dieser Ansatz diametral den Geschäftsmodellen, wie sie heute praktiziert werden, entgegen steht.

Aus Sicht der Anwender ist es rein technisch gar nicht notwendig (auch wenn es praktisch sein mag), die Infrastruktur des Anbieters zu nutzen, um z. B. sein eigenes Bewegungsprofil aufzuzeichnen. Die Infrastruktur des Internets existiert auch ohne die Betreiber, die darauf ihre Geschäftsmodelle gründen. Es stellt sich generell die Frage, wer das Recht hat, auf persönliche Informationen zuzugreifen, und wie man die Einhaltung dieses Rechts sicherstellen kann.

Ich hoffe, dass sich in den nächsten 5 bis 10 Jahren in dieser Richtung endlich etwas tut. Vielleicht erwachen unsere Politiker und Juristen endlich aus ihrer Starre und stellen die Weichen für ein modernes digitales Leben unter Berücksichtigung der Selbstbestimmung und Freiheit.

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2 Kommentare zu „Bildet Facebook ein Monopol?

  1. Stimmt. E-Mail ist auch noch ein schönes Beispiel für Dezentralisierung. Funktioniert dank akzeptierter Standards bekanntlich auch zwischen den Nutzern unterschiedlicher Anbieter.

    Ich bin nur nicht so optimistisch wie du, dass „Politiker und Juristen“ die Richtigen sind, um gute digitale Lösungen zu schaffen. Da gab es einfach zu viel Debakel in den letzten Jahren …

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