Über Himbeeren, Pinguine, Computer und Fenster


Raspberry W10 IoT
Raspberry W10 IoT

Habe ich eigentlich schon einmal erwähnt, dass ich ein Fan des Raspberry Pi bin? Vermutlich noch nicht, ich habe (noch) gar keine Kategorie dafür auf meinem Blog. Ein Raspberry Pi ist ein winziger aber vollwertiger sog. Einplatinen Computer, der vor Kurzem als Plattform primär für Linux-Systeme diente. Vor einigen Wochen kündigte Microsoft stolz die Zusammenarbeit mit der Raspberry Pi Foundation an. Zuerst habe ich mich darüber gefreut, dann habe ich es ausprobiert, und letztlich muss ich gestehen: ich bin ernüchtert.

Was ist ein Raspberry Pi?

Für alle, die nicht wissen, was das ist: es handelt sich um einen kleinen vollwertigen PC, der in der Größe einer Zigarettenschachtel daherkommt, zwischenzeitlich über 1 GByte RAM, eine 900 MHz Vierkern CPU nebst sehr leistungsfähigen Grafikchip, einem 100 MBit LAN, vier USB 2.0 Buchsen, einem HDMI Ausgang, einem kombinierten Audio/Video Ausgang und einem Standard Micro USB Netzanschluss verfügt, wie sie auch bei den meisten Smartphones vorliegen. Da keine Festplatte enthalten ist, kann man über eine SD Karte ein Betriebssystem (vorzugsweise Linux-basiert) booten und ggf. durch USB Speicher Medien oder gar externe Festplatten unterstützen. Tastatur und Maus können über USB angeschlossen werden, ein Bildschirm wird am HDMI angeschlossen – fertig. Und das Teilchen (ohne Peripherie) ist für ca. 35 bis 45 Euro zu erhalten. Näheres dazu führt Wikipedia über den Raspberry Pi aus.

Warum gibt es diesen Computer?

Dieser Einplatinencomputer wurde entwickelt, um jungen Menschen das Programmieren und die Kenntnis von Hardware wieder näher zu bringen. In Zeiten von Hochleistungsspielekonsolen, Gamer-PCs uns Smartphone-Apps lernen junge Menschen zwar mit diesen Geräten umzugehen, aber die Funktionsweise erschließt sich den wenigsten. Per Definition zähle ich zu den sog. Digital Natives, denn ich bin mit dem C64 „groß geworden“, bevor ich auf das „ernsthaftere“ Modell eines Atari ST umgestiegen war, um mich kurze Zeit später mit den sich langsam etablierenden „IBM-kompatiblen“ PCs auseinander zu setzen. D. h. ich habe die Zeit der Etablierung des PC live erlebt, wenn auch nicht vom allerersten Moment an.

Aber der C64, mit dem ich zum ersten Mal bei meinem Cousin in Berührung kam, faszinierte mich seinerzeit nicht wegen der Spiele, die damals auch schon in Konkurrenz zur Atari-Konsole standen, und oftmals ein wichtiger Grund waren, warum sich junge Leute den C64 und später den C128 kauften. Es war das beigefügte Benutzerhandbuch zum Erlernen der Programmiersprache BASIC, das ich mir von meinem Cousin auslieh. Ohne viel davon zu kapieren, las ich einen entscheidenden Hinweis, der den Grundstein dafür legte, dass ich seitdem in der IT Welt unterwegs bin: man kann beim Programmieren in Variablen etwas speichern und später wieder darauf zugreifen. So banal diese Aussage klingt, so faszinierend war sie für mich. Man muss sich vorstellen, dass es zu dieser Zeit allenfalls Taschenrechner gab und außer Magnetbändern zum Aufzeichnen von Musik nichts, auf das man selektiv elektronisch etwas speichern konnte. Die Tatsache, mit einem Computer Zahlen und Informationen speichern und wieder abrufen zu können war für mich eine faszinierende Erkenntnis und Anreiz so viel wie möglich über Computer verstehen zu wollen. Meinen ersten PC habe ich dann auf Pump beim Quelle-Shop bestellt und mühsam abgestottert. Eine Investition, von der ich sozusagen heute noch profitiere.

Ein Abstecher nach Linux

Nun bin ich durch die IBM-kompatiblen PCs zwangsläufig mit MS DOS und Windows aufgewachsen. Und auf Linux konnte ich, bis auf ein paar Versuche, die Distribution Suse zum Laufen zu bringen und produktiv damit zu arbeiten, bis dahin verzichten. Da mir aber der Grundgedanke am Raspberry Pi gefiel und das Teilchen erschwinglich ist, habe ich mich letztlich darauf eingelassen, mich ein wenig mit den Grundlagen von Linux auseinander zu setzen. Nebenbei habe ich Python als Programmiersprache und auch ein wenig elektronische Bastelei / Spielerei gelernt. Linux bedeutet für mich aber vor allem Frickelei, ewiges Suchen in den Tiefen des Internet nach vermeintlich richtigen Lösungen, Ausprobieren, wenig Produktivität und viel redundante Forschung. Also nichts, womit man generell seine begrenzte Freizeit auf Dauer verbringen möchte. Schon früh fragte ich mich deshalb, ob es keine Möglichkeit gäbe, ein Windows auf dem Raspi laufen zu lassen.

Eine gewisse Windows Affinität lässt sich kaum leugnen

Meine Arbeitsweise war deshalb von Anfang an darauf ausgelegt, so wenig Linux wie möglich zu machen. Leider lässt sich das bei so profanen Dingen wie einer Netzwerk-Konfiguration praktisch nicht vermeiden. Aber in allen anderen Bereichen habe ich bewusst darauf geachtet, so viel wie möglich unter Windows zu bewerkstelligen. Das fängt mit dem Aufspielen eines Images auf die SD-Karte für den Raspi an, das ich mit einem Windows-Programm (USB Image Tool) bewerkstellige, geht über die Etablierung einer Konsole mittels Putty unter Windows, um eine Sitzung auf dem Raspi zu etablieren, und gipfelt in der Programmierung mit Python unter Windows und anschließendem Transport der Programme zum Raspberry Pi. Ich hatte dann kurz die Idee, eine Crossplatform einzusetzen, nur um mit Windows Bordmitteln, eine Web-Anwendung zu programmieren. Viel Aufwand für wenig Nutzen, weshalb ich es bis heute nicht umgesetzt habe.

Windows 10 IoT!

Und dann hörte ich vor einigen Wochen von den Plänen Microsofts, einen Windows-Kern auf dem Raspi unterstützen zu wollen. Über den steinigen Weg, das zum Laufen zu bekommen und die offensichtlichen Intentionen Microsofts, die mit Windows 10 und dem Internet of Things verknüpft sind, berichte ich im zweiten Teil.

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