Präsentationstechnik – eine besondere Art der Bildung


Bunte Bildchen
Bunte Bildchen

Neulich erzählte mir jemand, dass es im Mittelalter drei Bildungsschichten gegeben hätte: die Ungebildeten, die Gebildeten und diejenigen, die lesen und schreiben konnten. Eine interessante Einstufung, denn was grenzt die „Gebildeten“ von denen ab, die lesen und schreiben können? Er erklärte, dass man in den Kirchen ja häufig „Comics“ sähe, also eigentlich Bildergeschichten. Dem ungebildeten Volk wurden in der Kirche diese Bildergeschichten erzählt. Wenn also jemand in der Lage war, diese Bildergeschichten zu erzählen bzw. nachzuerzählen, dann galt er als gebildet.

Story Telling

Im Wissensmanagement gibt es das sog. „Story Telling“. Das Problem bei der klassischen Form der Weitergabe von Wissen und komplexen Sachverhalten in Textform ist, dass der Kontext teilweise oder vollständig verloren gehen kann. Deshalb soll das zu transportierende Wissen in Form von Geschichten gebracht werden, um organisationale Lernprozesse anzustoßen. Bei der Durchführung der Methode wird die Vorgehensweise zur Erstellung der Geschichte geplant, es werden Interviews und Auswertungen durchgeführt und schließlich wird die Geschichte niedergeschrieben, um sie von den Projektbeteiligten validieren zu lassen. In der Anwendung wird dann die Geschichte erzählt und kann so im Rahmen von Workshops als Diskussionsgrundlage dienen.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte?

Im Bildungsbereich ist es mittlerweile verbreitet, Präsentationen durchzuführen. Ein betagter Wissenschaftler präsentierte auf einer Konferenz seinen Beitrag. Dieser bestand aus genau drei dicht und klein beschriebenen reinen Textfolien, die er zum Entsetzen der Zuhörer dann auch noch wortwörtlich ablas. Das war eine Art von Vortrag, die man offensichtlich nicht braucht. Bei der Vorbereitung einer Präsentation stellt sich immer die Frage, was auf den Folien dargestellt werden soll. Geht es darum, die enthaltenen Informationen aus Sicht der Konsumenten vor- oder nachbereiten zu können? Oder soll eine Präsentation als Skript oder gar Kompendium gelten, also mehr als nur bunte Bildchen und Grafiken darstellen? Ein bebilderter Vortrag ist sicherlich einfacher zu konsumieren, wenn er durch entsprechende Erklärungen untermalt wird – also Geschichten dazu erzählt werden. Würde man also gänzlich auf Textfolien verzichten, könnte das als Bildung im obigen Sinne gelten.

Zu viele Noten!

Manchmal hat man sich aber etwas dabei gedacht, wenn man Text auf den Folien platziert. Wenn dann jemand sagt, es stehe zu viel Text auf den Folien, dann erinnert das bisweilen an eine Szene im Film Amadeus: Mozart stellte Kaier Joseph II. sein neues Werk vor. Der Kaiser, der sich offensichtlich genötigt sah, „irgendetwas“ Negatives im Beisein seines Hofstaates äußern zu müssen, stellte nach Worten ringend schließlich fest: es sind zu viele Noten! Amadeus war fassungslos. Bei der nächsten Probe baute er dann sekundenlange Pausen ein, was den Kaiser wiederum irritierte, aber die Botschaft war klar: es waren für Mozart weder zu wenig noch zu viele Noten. Der Komponist hatte sich bei jeder einzelnen Note etwas gedacht. Aber manchmal ist das Gehirn des Betrachters oder Zuhörers einfach überfordert. Offensichtlich hat die eingangs erwähnte Definition von Bildung aus dem Mittelalter noch immer ihre Gültigkeit, und das, obwohl die meisten Menschen heute lesen und schreiben können.

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