Ein Leben ohne angefressenes Obst?


Angefressenes Obst
Angefressenes Obst

Das iPhone hat vor ein paar Jahren den Handy-Markt revolutioniert, aber seither bin ich diesem Gerät auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Sieht man sich das Firmenlogo des Herstellers an, so drängt sich einem die Metapher auf, dass dieses Symbol für den christlichen Sündenfall stehen könnte. Ich habe – durch mediale Berichterstattung getrieben – in den Apfel vom Baum der Erkenntnis gebissen, und bin nun gewahr, durch den Kauf dieses Produkts ewige Schuld (Foxconn) auf mich geladen zu haben. Oder ich bin Schneewittchen, der ein Bissen von einem vergifteten Apfel im Halse stecken blieb, und das von da an verflucht ward. Steve Jobs, die böse Hexe sozusagen, ist mittlerweile tot, und noch ist kein edler Ritter genaht, der den iPhone-Fluch von mir nehmen könnte.

Es war einmal …

… vor langer Zeit, da stagnierte der Handy-Markt. Siemens und Benq hatten sich gerade daraus verabschiedet. Nokia war noch Marktführer, Sony noch mit Ericson verheiratet, Motorola spielte kaum eine Rolle, Blackberry war den Kinderschuhen noch kaum entwachsen und Android stand damals noch für das, was das Wort bedeutet: eine menschenähnliche Maschine. Damals besaß ich noch eines der letzten Siemens Modelle, und ich war seit einiger Zeit auf der Suche nach einem Gerät, das ohne Probleme meine Outlook-Kontakte und Terminkalender synchronisieren konnte; und zwar, ohne dass man dazu spezielle Software installieren, bestimmte Kabel als teures Zubehör erwerben oder durch endlose Konfigurationsarien erst einmal bestimmen musste, welche Felder im Outlook in welche Felder im Handy gemappt werden müssen, um dann festzustellen, dass das Handy nur eine begrenzte Anzahl an Kontakten verkraften konnte.

Function follows form [sic!]

Und dann kam das iPhone und revolutionierte den Handy-Markt. iTunes installiert, Synchronisation über USB-Kabel gestartet, fertig. Alle Kontakte und Termine auf dem Handy. Das war tatsächlich das entscheidende Kriterium, warum ich mich für dieses Apple-Produkt entschieden habe, auch wenn ich mich anfangs dafür geschämt hatte. Ich wollte doch nicht als umgefallener Apple-Kritiker, der schon immer wusste, dass die Apple-Jüngerschaft mehr Wert auf Design als Funktion legt, dastehen (obwohl wir natürlich wissen, „wie einfach“ Apple Software zu verwenden ist *hüstel*). Aber in diesem Fall war es ja tatsächlich die Funktion, die mich überzeugte. Der damals noch sehr auf das Wesentliche eingeschränkte Funktionsumfang zeigt, dass das Design-Prinzip „Form follows function“ für den Erfolg scheinbar verdreht werden muss. Das iPhone musste erst einmal gut aussehen, aber die wichtigen Funktionen bei Markteinführung nur rudimentär ausgeprägt sein – immerhin will man ja später ein paar leistungsfähigere Modelle nachschieben, um weiterhin damit Geld zu verdienen. Die Strategie ist aufgegangen.

Das iPhone ist ein Schwarzer Schwan

Nach der Definition von N. N. Taleb kann das iPhone durchaus als Schwarzer Schwan bezeichnet werden, denn es weist die drei wesentlichen Attribute dieses Phänomens auf:

  1. Seltenheit: nichts in der Vergangenheit hat überzeugend auf seine Möglichkeit verwiesen Der Handy-Markt war praktisch tot, es gab keine Inovationen mehr.
  2. Massive Auswirkungen: das muss wohl nicht erklärt werden: es gibt fast nur noch Smartphones, die auf dem Prinzip des iPhones beruhen. Auch wenn Apple nicht der erste Hersteller war, der in diese Richtung lief, aber sie haben den Schritt gewagt und den Durchbruch geschafft.
  3. Vorhersagbarkeit im Rückblick: aber eben nicht in der Vorausschau. Wir können uns heute zig Argumente zusammenreimen, warum das Ding zwangsläufig ein Erfolg werden musste, aber niemand hatte diese Vision tatsächlich ernsthaft umgesetzt, außer eben Apple.

Zwischenzeitlich hat sich der Markt grundlegend reformiert. Etwa sieben Jahre nach der Vorstellung des ersten iPhone gibt es zahlreiche Hersteller und Modelle, die doch eigentlich an das iPhone hinreichen können müssten.

Die Qual der Wahl

Damit stehe ich also vor der Wahl, welches Handy ich als nächstes verwenden möchte. Im Grunde gibt es folgende Hauptkriterien und Optionen:

  • Outlook Synchronisationsfähigkeit (ohne wenn und aber)
  • Betriebssystem (iOS, Android, Windows Phone)
  • Hersteller (Apple, Samsung, HTC, Sony)

Das führt dann zu folgenden Alternativen:

  1. iPhone 5S: Seit iPhone 5 ist dieses mit einem neuen Steckersystem (Lightning) ausgestattet, womit ich mein altes Zubehör komplett neu erstetzen müsste. Apple also noch mehr Geld in den Rachen schmeißen? Mit dem Service von Apple bin ich aber zufrieden. Und iTunes synchronisiert mit Outlook tadellos. Eigentlich spräche das dafür, aber die Stecker nerven schon sehr.
  2. Windows Phone 8: zugegeben, ein interessanter Wechsel, der meiner Windows 8 Affinität entgegen käme. Aber: Outlook Kontakte und Termine lassen sich nicht ohne Verrenkungen synchronisieren. Man glaubt es nicht, aber Outlook und Windows Phone 8 werden beide von Mircosoft hergestellt und es gibt keine Synchronisation, wie sie Apple bereits beim ersten Wurf hinbekommen hat. Hinzu kommt: mein Provider bietet praktisch nur ein einziges HTC Gerät und sonst nur Nokia (kommt mir nicht in Haus) an. Das ominöse Samsung ATIV S, das Windows Phone 8 mitbringt, kennen weder mein Provider noch die Mitarbeiter bei Microsoft.
  3. Android: möchte ich mich nach Apple nun der Datenkrake Google wirklich ausliefern? Zugegeben, Samsungs Galaxy und Sonys Xperia gefallen mir, und die Qualität scheint in Ordnung zu sein. Aber bei Android brauche ich eine umfangreiche und extrem komplizierte technische Anleitung, wie ich Kontakte und Termine synchronisiere – nur hat das nichts mit Plug and Play zu tun, das ist Gefrickel. Leider unterstützt Outlook kein CalDAV oder CardDAV, dann wäre es wohl einfacher auf Android zu wechseln.
  4. Fairphone: gehört eigentlich zu 3. ist aber ein interessantes Projekt, das neben menschenwürdigen Produktionsbedingungen auch darauf achtet, dass die Rohstoffe (weitestgehend aber nicht garantiert) fair erzeugt und gehandelt wurden. Die Plattform ist ein Android System. Interessant ist, man kann zwei SIMS mit separaten Nummern auf dem Handy betreiben. In Tests schneidet das Gerät durchschnittlich ab, und hat bei für mich weniger wichtigen Funktionen Einschränkungen. Aber ob ich auf Dauer damit glücklich würde, bezweifle ich.

Die Entscheidung

Die Antwort liegt, wenn ich die Ausgangskriterien zugrunde lege und die Nachteile abwäge, auf der Hand. Es muss nicht immer was Neues sein, insbesondere, wenn damit neue Nachteile eingekauft werden. Deshalb werde ich schlicht bei iPhone bleiben, aber nicht das iPhone 5 nehmen, sondern das alte iPhone 4S. Das kann dann schon mal Siri und stellt immerhin eine kleine Verbesserung zu meinem bisherigen iPhone 4 dar. Außerdem kann ich dann weiter das grottenschlechte Zubehör von Apple verwenden, bis es sich in seine Bestandteile zerlegt hat. Fazit: offensichtlich ist ein Leben ohne angefressenes Obst (noch) immer nicht möglich. Alle zwei Jahre harre ich weiterhin eines mutigen Recken, der sich den Herausforderungen stellt, und der mich vom Fluch erlöst, dass es abermals ein iPhone sein wird, das ich bei meiner Vertragsverlängerung bestellen werde.

Advertisements

2 Kommentare zu „Ein Leben ohne angefressenes Obst?

  1. Das Lumia soll ja ne tolle Cam haben – aber Nokia konnte ich noch nie leiden – sozusagen der Golf unter den Handys 😛 – also nichts Rationales.
    Aber in Skandinavien ist Nokia sicher eine gute Wahl 😉

    Gefällt mir

Was meinst Du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s