Die Qual der Wahl – Windows 8 Tablet als einziges Gerät


Windows 8 Tablet
Ein Windows 8 Tablet

Das Konzept von Windows 8 hat mich überzeugt. Insbesondere die Möglichkeit, auf dem Tablet mittels Stifteingabe zu schreiben, stellt für mich ein Feature dar, das ich gerne bei der täglichen Arbeit nutzen möchte. Momentan nutze ich neben einem SONY VAIO Laptop ein iPad, aber glücklich bin ich mit dem iPad nicht. Gerne hätte ich eine einzelne Lösung, die beides verbindet.

Die Anforderungen definieren die Hürden

Ein Windows 8 Tablet ist mit Sicherheit besser für meine Anforderungen geeignet, aber der Markt für solche Geräte ist noch nicht so breit gefächert, als dass ich mich für ein Modell entscheiden möchte. In der Detailbetrachtung ergeben sich Hürden, die vom Kauf abhalten.

Zugegeben: ich lege die Latte sehr hoch, damit fällt eine Vielzahl von Windows 8 Tablets von Vornherein aus. Meine Anforderungen an das Tablet sind hauptsächlich vom Gedanken getrieben, leistungshungrige Anwendungen wie Visual Studio und Photoshop, aber auch Office-Anwendungen wie Visio, Access und PowerPoint, sowie Modellierungs-Tools zu betreiben. Eine wichtige Anforderung ist die Möglichkeit, auf dem Tablet schreiben zu können und die Eingaben zu digitalisieren. Häufig vergessen wird, dass man die Daten auch mal auf eine externe Platte oder über ein Netzwerk sichern möchte. Und nicht zuletzt soll das Tablet mein einziges Gerät bleiben, denn ich möchte kein Zweitgerät, um damit andere Dinge zu erledigen, die auf dem Tablet nicht möglich sind. Daraus ergeben sich folgende Mindestanforderungen an die Hardware im Detail:

  • CPU: Intel Core i5 +
  • Arbeitsspeicher: 4 GByte +
  • SSD-Größe: 128 GByte +
  • Displaygröße: 11 “ +
  • Auflösung: Full HD oder adäquat
  • Schnittstelle USB: 1 x 3.0 +
  • WLAN: n-Standard
  • Stifteingabe (nur eingeschränkt bei W700p)

Diese Anforderungen werden derzeit nur von zwei Tablets erfüllt:

  • Microsoft Surface Pro
  • Acer Iconia W700P oder W7P – bei Acer läuft es unter beiden Bezeichnungen

Ist ein Windows 8 Tablet besser als iPad?

Die Antwort lautet: ja. Als Eigentümer eines iPad sind mir die Beschränkungen des Geräts hinlänglich bekannt. Die Frage ist aber, was macht Tablets mit Windows 8 besser als ein iPad?

Personalisierung: iPads sind entweder Individualgeräte oder kollektives Eigentum. Personalisierung wird jedoch nicht unterstützt. D. h. das Gerät ist an ein iTunes Konto gekoppelt, und damit an genau eine natürliche Person. Das hält zwar niemanden davon ab, es mitzubenutzen, aber persönliche Einstellungen sucht man vergeblich. Als professionelles Betriebssystem ist Windows 8 in Bezug auf Personalisierung Apples iOS haushoch überlegen. Die Benutzerkontenverwaltung unter Windows ermöglicht es, tatsächlich  individuelle Konfigurationen des Gerätes vorzunehmen.

Weniger ist nicht immer mehr: der Erfolg von iPod, iPhone und iPad liegt auch in der Einfachheit der Bedienung und der Beschränkung des Funktionsumfangs. Böse Zungen behaupten, dass Apple Produkte eher für weniger computer-affine Benutzer gemacht werden (um es höflich zu formulieren), und damit eine breite Masse erreichen. Diese Beschränkung auf das Wenige oder Notwendige ist sicher ein Grund für den großen Erfolg und die rasante Verbreitung der Apple Produkte. Aber mit jeder neuen iOS Version merkt man, wie sich das Einstellungsmenü vergrößert und an Umfang, und damit an Unübersichtlichkeit, zunimmt. So ganz ist also auch ein Apple-Produkt nicht von der Notwendigkeit befreit, mehr als das Minimum an Funktionalität zuzulassen.

Ein Gerät zum Arbeiten – nicht zum Spielen: Das iPad konkurriert auch mit reinen Spiele-Konsolen, und schafft durch den App-Store dem Benutzer das Herunterladen und die Nutzung von Spielen. Aber sobald man versucht, ernsthaft mit den Geräten zu arbeiten, stößt man schnell an Grenzen. Weder sind die unter dem Namen Productivity gehandelten Anwendungen in Sachen Usability effizient zu nutzen, noch integrieren sie sich in unternehmerischen Kontext. Ohne externe Tastatur sind iPads kaum zu verwenden – das gilt wohl für alle Tablets gleichermaßen. Aber insbesondere die Eingabe mittels Stift ist mit dem iPad nur sehr beschränkt möglich.

Drucken und Netzwerk-Shares: Obwohl ich zuhause ein LAN betreibe und darüber mit meinem Laptop problemlos auf dem Laserdrucker Ausdrucke anfertigen kann, ist es mit iOS nicht möglich, diese vorhandene Infrastruktur zu nutzen. Auch der Zugriff auf Netzwerklaufwerke (über ein Linux-basiertes System) ist mit Apple-Produkten nicht möglich bzw. offensichtlich nicht gewünscht. Die Abschottung der Apple-Hardware von vorhandenen Standards ist eine der Hauptgründe, die gegen Apple-Produkte sprechen. Angesichts aktueller Diskussionen über Prism und Tedora erübrigen sich die Fragen nach der Nutzung von Cloud-Diensten wie iCloud oder Azure im Geschäftsbereich, die vielleicht praktisch, aber nicht unbedingt praktikabel sind.

Was alle Tablets an Nachteilen mit sich bringen

Fehlende oder mangelhafte Docking-Station: aufgrund der Baugröße ist die Anzahl an Schnittstellen zur Außenwelt bei Tablets beschränkt. Das gilt sowohl für die unterschiedlichen Standards als auch für die Quantität der Anschlüsse. Docking Stationen können dieses Manko beheben. Allerdings braucht es dazu einen Port – und das kann dann bei beiden genannten Tablets nur USB 3.0 sein. Darüber werden dann alle Signale von Bildschirm über LAN und USB am Replikator zur Verfügung gestellt. Portreplikatoren, wie man sie von Laptops kennt, sind damit nicht vergleichbar, denn bei USB läuft alles über einen seriellen Bus. Das W700P bringt evtl. eine über USB andockbare Lösung mit, die gleichzeitig als Ständer verwendet werden kann – Kunden auf der Acer Seite berichten, dass das sog. Cradle nicht mitgeliefert wurde, auf den Abbildungen zum Produkt ist es jedoch dargestellt. Damit stehen dann immerhin ein paar Schnittstellen mehr zur Verfügung, als es das Gehäuse ursprünglich zulässt. Für das Surface gibt es dergleichen nicht, da müsste dann z. B. ein USB Replikator verwendet werden. Allerdings lassen sich mit dem Surface mittels Adaptern zumindest externe Bildausgabe und über USB die Tastatur und Maus verlagern. LAN im GBit Bereich steht damit aber trotzdem nicht zur Verfügung (siehe Einbindung ins LAN).

Nutzung mobiler Breitbandverbindung: Ich wollte es nicht glauben, aber es ist wahr, das Surface von Microsoft verfügt nicht über UMTS/LTE Funktechnik. D. h. unterwegs kann man nur über öffentliche Hotspots ins Internet gelangen. Das Acer Iconia W700P verfügt ebenfalls nicht über einen Slot für eine SIM Karte. In diesem Punkt hat das iPad zumindest die Nase vorn. Allerdings ist es mittels Tethering möglich die Flatrate des Smartphones auch auf einem Tablet zu nutzen, das keine UMTS/LTE Anbindung zur Verfügung stellt. Unter Windows lassen sich so mittels USB oder Bluetooth Verbindungen ins Internet herstellen.

Einbindung ins LAN: Designbedingt sind wohl Tablets nicht mit GBit-LAN Netzwerkschnittstellen ausgerüstet. Deshalb gibt es die Möglichkeit, sich mittels WLAN in Netze zu hängen. Leider ist die zur Verfügung stehende Bandbreite bei WLAN kaum annähernd auszuschöpfen. Das häusliche WLAN ist oftmals durch Nachbarn, die ebenfalls in Reichweite auf dem selben Kanal funken, beschränkt, von der Bandbreite in Hotels oder im Zug möchte ich gar nicht reden. Insbesondere, wenn es darum geht, umfangreiche Datenmengen zu transportieren (z. B., um Daten zu sichern), ist ein kabelgebundener Netzwerkanschluss zuhause unerlässlich.

Preis-Leistungsverhältnis: Nach wie vor passt das Preis-Leistungsverhältnis bei Tablet PCs nicht. Man bekommt weniger, muss dafür aber mehr bezahlen, als für vergleichbare Lösungen, die nicht als Tablet ausgeprägt sind. Letztlich gibt Apples iPad die Richtung vor – und da weiß man mittlerweile, dass der Verkaufspreis eine satte Marge beinhaltet. Demzufolge orientieren sich andere Hersteller an diesem Preis und schauen, was der Markt bereit ist, zu bezahlen. Das Surface zum Beispiel, kommt ohne VGA oder Standard HDMI-Anschlussmöglichkeit daher. Diese beiden Optionen kosten jeweils rund 40 Euro. Damit bezahlt man rein für die Konnektivität nochmal 10 % auf den Kaufpreis des Gerätes. Eine LAN Anbindung kostet ebenfalls zusätzliche 40 Euro, dann kommt noch der Preis von ca 130 Euro für die externe Tastatur dazu. Und schon kostet das Teil rund 1.200 Euro – ein stolzer Preis für eine derart eingeschränkte Lösung.

Spieglein, Spieglein in der Hand …: Alle beschweren sich, dass die Tablets spiegelnde Oberflächen aufweisen. Man bekommt aber weder ein Smart Phone noch eine Tablet mit entspiegelter Oberfläche. Offensichtlich ist es ein Merkmal für Luxus / Exklusivität, und zugegeben, es sieht edel aus. Aber es ist nicht praktikabel, und es ist sogar kontraproduktiv: denn je mehr die Oberfläche spiegelt, um so heller muss das Display eingestellt werden, und desto schneller ist der Akku leer. Man erreicht also genau das Gegenteil von der eigentlich gewollten Mobilität – das notwendige Vorhandensein von externen Stromquellen.

Ergonomie: Das iPad der 1. Generation wiegt in der 3G Variante ca. 730 Gramm. Aber das Gewicht alleine sagt nichts über die Ergonomie des Geräts aus. Tatsächlich ist es die unsägliche Gehäuseform, die das Tablet hinsichtlich Gebrauchstauglichkeit schlecht aussehen lässt (über den Unsinn „Function follows Design“ schweige ich mich jetzt mal aus). Wer längere Zeit mit einem iPad gearbeitet hat, weiß was ich meine. Eine ergonomische Nutzbarkeit entsteht nämlich erst dann, wenn man das Tablet wie einen Bildschirm bei einem Laptop aufstellt und mit separater Tastatur bedient. Weder Bildschirmtastatur noch einhändige Bedienung ist sinnvoll, um produktiv mit einem Tablet zu arbeiten. Die beiden zur Debatte stehenden Tablets schlagen mit 900 g (Surface Pro) und 950 Gramm (Iconia w700) zu Buche, aber beide Geräte lassen hinsichtlich ihrer Gehäuseform und -funktion befürchten, dass sie ergonomisch ebenfalls durchfallen.

Fazit: Anschaffung nur unter Inkaufnahme schlechter Kompromisse

Es stellt sich tatsächlich die Frage, ob und in wie weit ein Tablet überhaupt als gebrauchstaugliches Arbeitsgerät eingestuft werden kann. Die vorgenannten Ausführungen zeigen, dass ein Tablet offensichtlich kein Laptop ist. Trotzdem wäre es sinnvoll, ein Laptop wie ein Tablet nutzen zu können. Entwicklungen diesbezüglich gab es schon vor iPad Zeiten; IBM bzw. Lenovo und andere haben sich immer wieder daran versucht, das Konzept hatte sich aber nicht durchgesetzt. Erst mit der Einführung von iPad wurde der Tablet-Markt belebt und in Bewegung gebracht. Aber im Moment lohnt es sich nicht, ein Tablet als einziges Gerät zu besitzen, die Nachteile sind zu gravierend, als dass man sich als professioneller Anwender derart beschränken möchte. Zum Glück gibt es aber auch Lösungen, die nur wenige der oben dargestellten Nachteile haben. Und eine scheint das SONY Duo 11 bzw. 13 zu sein. Darüber werde ich dann in einem kommenden Beitrag berichten. Und dann gibt es auch eine Nutzwertanalyse der hier genannten Windows 8 Tablets und dem SONY Duo 11/13.

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