Facebook und die Schwarmintelligenz


Schwarmintelligenz und Facebook
Schwarmintelligenz und Facebook

Abgeleitet vom Ameisenstaat, also dem Verhalten von Insekten in einer Kolonie, hat die Naturwissenschaft den Begriff der Schwarmintelligenz definiert. Ein System als Ganzes weist Verhaltensmuster auf, die nicht alleine aus dem einzelnen Individuum oder der Summe derselben erschlossen werden können, sondern erst im Zusammenwirken der Individuen entstehen. Solche Systeme sind selbstorganisierend und wirken auf Menschen als etwas, das als „Intelligenz“ interpretiert wird. Das Funktionieren solcher Systeme ist wesentlich durch die Kommunikation zwischen den Individuen bestimmt.

Auch die Informatik beschäftigt sich im Bereich der Künstlichen Intelligenz mit der Schwarmintelligenz und die Soziologie nähert sich diesem Begriff mit so interessanten Themen wie den sog. Smart Mobs und der Critical Mass. Insbesondere die Critical Mass scheint speziell in internetbasierten Sozialen Netzwerken ein Phänomen zu sein, das sich buchstäblich in „Shit Storms“ Bahn bricht. Wäre es nicht naheliegend, auch im Bereich der Sozialen Netzwerke von Schwarmintelligenz zu sprechen?

Ein Aspekt, der eindeutig dagegen zu sprechen scheint, ist die Tatsache, dass ein internetbasiertes Soziales Netzwerk primär von einigen wenigen betrieben wird, und dass die Existenz der Individuen als Teile des Netzwerks mit Sicherheit nicht von der Existenz des technischen Netzwerks abhängt. Soziale Netzwerke entstehen nicht aus reinem Selbsterhaltungstrieb durch seine Individuen, sondern dienen primär dazu, die Gründer reich zu machen und den Konsum mittels Werbung zu befördern.

Als Nichtmitglied eines sozialen Netzwerkes wie Facebook, fehlt einem die Information über das, was die Freunde tun. Andererseits stellt sich die Frage, ob es wirklich so wichtig ist, über alles Bescheid zu wissen. Vielleicht ist es viel wichtiger, Menschen im realen Leben zu treffen, und die Dinge, die so passiert sind, und die vielleicht wirklich wichtig oder interessant waren, im Dialog auszutauschen. Ein soziales Netzwerk wie Facebook kann das einerseits unterstützen, andererseits aber die realen Begegnungen nicht ersetzen.

Weiterhin stellt sich die Frage, ob es in einem Sozialen Netzwerk einer übergeordneten Instanz bedarf, die aus kommerziellen Gründen die Kommunikation überwacht und reglementiert. Rein rechtlich ist es ohnehin fraglich, ob privat ausgetauschte Nachrichten gescannt werden dürfen, um gezielt Werbung einzublenden. Für die Betreiber Sozialer Netzwerke ist es naheliegend, dass auch der Kommunikationsfluss der Mitglieder mittels Chat oder Nachrichten über diese Plattformen stattfindet, um so maximalen Einblick und damit die Grundlage einer kommerziellen Ausschlachtung der Inhalte zu ermöglichen. Ob allen Teilnehmern des Netzwerkes bewusst ist, dass sie ihre Privatsphäre in diesem Maße freiwillig aufgegeben haben, und sie „der Welt“ (in Wirklichkeit aber nur einigen wenigen) mitteilen, was ihnen „gefällt“ und worüber sie mit anderen „reden“, erscheint fraglich.

Was also haben die Mitglieder eines Sozialen Netzwerkes von dessen Nutzung? Zum einen haben sie mehr Wissen darüber, was andere gerade tun bzw. getan haben und was denen gefällt. Zum anderen haben sie damit vielleicht auch einen Grund, jemanden nicht unbedingt persönlich treffen zu müssen. Denn über was soll man sich unterhalten, wenn ohnehin schon alles im Netzwerk ausgetauscht wurde? Andererseits werden aber durch die Betreiber der Sozialen Plattformen Informationen mittels vermeintlich „intelligenter“ Algorithmen gefiltert und beschränkt. D. h. Maschinen entscheiden bereits heute, worüber die Teilnehmer in ihrem Netzwerk informiert werden und worüber nicht.

Wenn man den aktuellen Zahlen glauben möchte, so nutzen weltweit eine Milliarde Menschen aktiv Facebook. Ich habe mich entschieden, diesem Schwarm nicht mehr anzugehören. Ich sehe schon, ich bin einfach kein Mensch, der im Mainstream mitschwimmt. Sobald etwas selbstverständlich und zum Massenphänomen wird, verliere ich das Interesse daran. Das ist so, wie mit meinem iPhone. Als es noch etwas Besonderes war, eines zu besitzen, fand ich es toll. Aber mittlerweile hat praktisch jeder eines und findet es toll – und das macht mich misstrauisch. Vermutlich weil sich auch die Mehrzahl irren kann und weil der Schwarm eben nicht unbedingt intelligent sein muss.

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