Fernsehen war gestern!


Sendepause
Sendepause

Es ist kaum vorstellbar, aber es hat 15 Jahre gedauert, bis die Industrie einen Fernseher entwickelt hat, der fast alle Anforderungen erfüllt, die ich an einen Fernseher stelle. Die Rede ist vom TechniSat MultyVision ISIO.

Es hat sich mir nie erschlossen, was bei der Entwicklung eines Fernseher so schwierig sein soll, dass die Geräte kaum in der Lage waren, den Videotext vollständig einzulesen und zu speichern, so dass ein schnelles Abrufen einer beliebigen Seite ohne ewiges Warten vonstatten geht. Damals dachte ich mir schon, dass es doch nur konsequent wäre, die Inhalte, die die Sender anbieten, über das Internet zur Verfügung zu stellen und am Bildschirm anzuzeigen. Mittlerweile hat diese naheliegende Idee auch einen Namen: Hybrid Broadcast Broadband TV (HbbTV) – oder zu deutsch: Fernsehen trifft Internet, sozusagen die 2.0-Variante des Videotexts. Über die vom Videotext bekannten vier farbigen Tasten kann auch im HbbTV navigiert werden. Die Sender bieten ein (leider) recht unterschiedlich strukturiertes Menü an, über das man bestimmte Inhalte aus dem Internet abrufen kann. Einfach gesagt: das was man heute schon an Mediatheken auf dem Computer anschauen kann, kann man nun auf dem Fernseher abrufen. Irgendwie naheliegend und eigentlich, so möchte man annehmen, nichts bahnbrechend Neues.

Internet und Browser

Wer sich in der Software-Entwicklung, insbesondere bei der Web-Anwendungsentwicklung, auskennt, weiß von den Problemen, die mit der Integration der Inhalte bei unterschiedlichen Browsern einhergehen. Der „normale“ Anwender stellt nur fest, etwas funktioniert nicht, oder nicht so wie es soll. Oftmals hört man dann aus der einen oder anderen Gemeinde von Produktverfechtern, das läge am Internet Explodierer oder am Firlefox, man solle doch einfach mal das andere ausprobieren. Insofern ist es nachvollziehbar, das sich Hersteller bei Geräten, die quasi auf einen bestimmten Browser festgelegt sind, nicht zu weit aus dem Fenster lehnen wollen. Wer weiß, ob morgen nicht schon der Netscape Navigator in der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist, oder ein anderer Herrsteller den Chrome als superschnellen, oder Apple den Safari als Rundumsorglos-Browser zu marktbeherrschender Relevanz verhelfen.

So kommt also der MultiVision mit dem Opera daher. Erfreulich ist, dass der Fernseher nicht nur auf die Inhalte begrenzt, die im HbbTV Bereich vorgegeben sind, sondern eben auch ein freies Internet Browsen zulässt. Seltsam ist nur, dass die Schrift erstaunlich unscharf daherkommt. Damit der geneigte Internetsurfer nicht umständlich mit Bildschirmtastaturen und seiner Fernbedienung tippseln muss, gibt es von TechniSat gleich eine Tastatur als Zubehör. Aber hier folgt gleich ein Wehrmutstropfen: der USB Empfänger der Tastatur, der am Fernsehgerät eingesteckt werden muss, kann praktisch nur an der Front eingesteckt werden, was dazu führt, dass die Frontblende permanent offen sein muss. Der seitliche USB Anschluss ist durch das WLAN blockiert, das widerum nicht am USB-Anschluss an der Rückseite des Geräte funktionierte, als es in Betrieb genommen werden sollte. Ein eindeutiger Minuspunkt.

Doppelt hält besser

Was den MultiVision aber auszeichnet sind der sog. Quad-Tuner und die integrierte Festplatte mit einem TerraByte Kapazität. Der Quad-Tuner stellt je zwei Tuner für Kabel, DVB-S und DVB-T zur Verfügung. Quad heißt das, weil man das Internet sozusagen als weiteren Eingang klassifiziert, um Fernsehinhalte darzustellen. Durch die zweifachen Tuner lässt sich TimeShift oder paralleles Aufnehmen und gleichzeitiges Ansehen eines anderen Programms problemlos durchführen. Das einzige, was einem Quint-Tuner fehlen würde, ist ein BlueRay Laufwerk – warum das nicht drin ist, ist mir ein Rätsel. Das wäre das Tüpfelchen auf dem i. Aber gut, man kann nicht alles haben – leider. So muss die PS-3 herhalten, die ja ein BlueRay-Laufwerk mitbringt.

Sehr positiv ist die Menü-Navigation. Bereits die Einrichtung ist vorbildlich, in der Bedienung bleibt dann auch fast kein Wunsch mehr offen. Der Elecronic Program Guide (EPG) ist nicht ganz korrekt umgesetzt. Es hat sich mir noch nicht erschlossen, weshalb auf dem ZDF die ARD nicht angezeigt wird, bei der ARD jedoch sehr wohl die ARD und das ZDF. Hier scheint ein Anzeigefehler vorzuliegen.

Fazit

Was hat sich nun für mich als TV Konsumenten geändert? Ich kann jederzeit bestimmte Angebote, auf die die Sender zunehmend hinweisen, direkt abrufen, ohne meine Laptop hochfahren zu müssen. Formate, die den Zuschauer in Diskussionen einbeziehen, können direkt am Fernseher aufgerufen werden, und man kann den einen oder anderen Kommentar, den man den Diskutierenden oder Programmachern an den Kopf werfen möchte, loswerden. Besonders hochwertig sind die GEZ finanzierten Internet Angebote der öffentlich rechtlichen Sendeanstalten, die das Programm tatsächlich ergänzen und das Medium TV sinnvoll um die Internet-Komponente erweitern.

Der Sprung vom reinen Fernsehen zum internetverbundenen Fernsehen war so groß nicht, und im praktische Gebrauch hängt man doch meißtens bei einem Programm ab, ohne groß Aktivität zu machen. Wenn aber doch wieder einmal so gar nichts kommt, ist der Zugriff auf die Internet-Inhalte eine Möglichkeit, seiner Fernsehabhängigkeit zu fröhnen. Die Chance, ein Buch in die Hand zu nehmen, sinkt damit allerdings auch.

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