3. Startbahn: Betroffenheit schlägt Kapital


Nein!
Nein – die Münchner haben entschieden.

Nun ist es also entschieden. Knapp 33 % der Wahlbeteiligten haben abgestimmt und mit einer eindeutigen Mehrheit fürs Erste die Pläne zum Bau der 3. Startbahn gestoppt. Man hätte dazu allerdings gar nicht orakeln müssen, ob der Münchner an sich ein eher Konservativer ist. Noch keine zehn Jahre ist es her, da haben die Münchner sich nämlich schon einmal gegen angeblichen Fortschritt und Größenwahn entschieden. Damals ging es um den Bau eines Hochhauses – wir erinnern uns? 2004 wurde für den Zeitraum von einem Jahr – wie übrigens die Entscheidung gegen die 3. Startbahn auch nur ein Jahr gilt – die 100 Meter Grenze für Gebäude beschlossen – diese wird bis heute eingehalten, weil sich keiner aus der Politik mehr dran getraut hat. Zugegeben, ich habe damals für den Tower gestimmt, am Stadtrand empfand ich ein hohes Gebäude eher als Orientierungspunkt, und insgesamt noch weit weg von einer Skyline, wie sie Frankfurt hat.

Wer sind nun die Verlierer dieser Entscheidung?

Verlierer sind kurzfristig betrachtet alle, die sich zu Befürwortern auserkoren fühlten. Es ist erstaunlich, mit welcher Ignoranz von dieser Seite argumentiert wurde und wird. Da werden die Gegner als Ewiggestrige tituliert, als Deppen, Wachstumsbremsen, Zukunftsverweigerer (sic!) und als Angsthasen – und das sind noch die harmloseren Beschimpfungen. Vorbei ist es mit der angeblichen Sachlichkeit, die sie so gerne und stolz vor sich hergetragen haben, die aber nicht wirklich fundiert und realitätsnah war. Man hatte bisweilen in den Diskussionen den Eindruck, bei den Befürwortern handle es sich um religiöse Fanatiker, die bar jeglicher Vernunft sich jeglichem rationalen Argument verschlossen. Eher überzeugt man einen Salafisten von den Vorzügen des Grundgesetzes gegenüber der Scharia, als einen Starbahnbefürworter von der Unsinnigkeit dieses Projektes.

Seltsames Marketing

Es stimmt doch bedenklich, wenn eine Marketing Agentur beauftragt werden muss, die dafür sorgen soll, eine Idee, die rein privatwirtschaftlicher Natur ist, dem gemeinen Volk verkauft werden muss. Und dann erlaubt sich das Volk auch noch, mehrheitlich dagegen zu stimmen! „Was erlauben Münchner?“ Und was für seltsame Persönlichkeiten da im wahrsten Sinne des Wortes ausgegraben wurden. Vermutlich bedienten sich die Marketing „Strategen“ derselben Quellen, wo auch die Kandidaten für das Dschungelcamp reaktiviert werden. Da stellen sich zwei namenlose DJs, die angeblich aufgrund ihrer „internationalen Auftritte“ hin und wieder mal im Flieger unterwegs sind, hin, und tun gerade so, als würden sie nächtelang am Münchner Flughafen festhängen, weil dieser nicht über eine dritte Startbahn verfügt. Da grinst uns plötzlich das Gesicht von Uschi Glas an und das Halbblut Apanachi lässt verlauten: „… Wenn wir auch in Zukunft als kulturelle Spitze gelten wollen, brauchen wir eine optimale Anbindung – dann brauchen wir ein JA zur 3. Startbahn!“ Oder ein seltsamer Fiereck, bei dem man nicht weiß ob er gerade totalen Stuss redet, oder unfreiwillig komisch sein wollte, und damit den Gegnern in die Hände spielte.  Genau solche Persönlichkeiten brauchen wir, um uns erklären zu lassen, dass wir eine dritte Startbahn benötigen. Na, bravo.

Wie bilde ich Dir meine Meinung?

Herrn Seehofer war das schon vor einigen Tagen ein Gräuel mit der Abstimmung gewesen, und er möchte das jetzt vom gesamten bayerischen Wahlvolk im Rahmen der Landtagswahl 2013 abstimmen lassen. Wenn schon die ohnehin nur teilweise betroffenen Münchner abstimmen dürfen, warum dann nicht gleich ganz Bayern abstimmen lassen, und damit die Zahl der Unbetroffenen noch weiter steigern? Immerhin könnten dann auch die tatsächlich betroffenen Anlieger ihre Stimme abgeben – nur wird das dann leider genau so wenig ins Gewicht fallen, als wenn sie nicht abgestimmt hätten. Diese perfide Strategie hat er sich bei der FDP abgeschaut. Die hat ja nach der Bundestagswahl immer wieder lamentiert, sie sei ja eben wegen ihrer Haltung gegen den Atomausstieg gewählt worden. Bis heute haben die Liberalen nicht kapiert, dass sie trotz ihrer Haltung gewählt wurden. Der Unterschied scheint schwer begreiflich. Aber der Seehofer ist ja ein ganz ein schlauer. Wenn er 2013 die absolute Mehrheit erringen sollte, dann wird auch er sich hinstellen und lamentieren: die Bayern hätten ihn doch genau wegen des Ausbaus des Flughafens gewählt. Nein, sie werden ihn trotz seiner Pläne gewählt haben. Schließlich wird eine Partei ja nicht aufgrund eines einzelnen kleinen Wahlversprechens gewählt.

Nach der Abstimmung ist vor der Wahl

Ja, und der FDP Verkehrsminister Zeil weiß heute schon, dass der Flughafen auf jeden Fall ausgebaut wird. Ob er sich da mal nicht verrechnet. Das Polster, das die FDP in Bayern hat, ist so weich nicht mehr. Es bestehen gute Chancen, dass die FDP im nächsten Landtag nicht mehr dabei sein wird – die CSU regiert einfach lieber alleine, als von einem Koalitionspartner abhängig sein zu müssen. Und dann wollen wir den Ude nicht vergessen. Der tritt ja gegen den Seehofer an. In der Startbahnfrage hat man sich zwar einmal gemeinsam ablichten lassen, aber ab jetzt werden Mehrheiten gesucht. Und so ist vielleicht die dem Ude vorgeworfene mangelnde Geradlinigkeit in der Startbahnfrage zu erklären: vielleicht hat er gespürt, dass er die Münchner nicht mehrheitlich von seiner Idee überzeugen kann. Aber seine Standhaftigkeit, nämlich, dass der Wählerwille angenommen wird, egal wie es ausgeht, das kann nur „lupenreinen“ Demokraten wie denen von der CSU und der FDP egal sein. Das Volk ist in manchen Fragen einfach zu blöd, um das Beste für das Land entscheiden zu können.

Wisst ihr was, liebe Politiker von der CSU und FDP: wählt euch doch einfach selbst, wenn es euch nicht passt, was die Mehrheit möchte.

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