Was habt ihr eigentlich gegen die armen Raucher?


Seit einigen Tagen haben wir wieder ein neues gesellschaftlich relevantes Thema, endlich geht es wieder gegen eine Minderheit: die Raucher. Angeblich kosten Raucherpausen die Betriebe bares Geld und würden den Arbeitsablauf stören, wie uns der Bundesverband mittelständischer Wirtschaft (BVMW) erklärt. Die Argumentation ist nicht ganz falsch, denn insbesondere in der direkten Zusammenarbeit zwischen Rauchern und Nichtrauchern treten Phänomene auf, die alles andere als produktiv und fair sind. So steigt bei starken Rauchern die Anspannung und Nervosität und die Konzentrationsfähigkeit sinkt, sobald der Wunsch nach einer Zigarette aufkeimt. Eine intensive konzentrierte Arbeit über zwei oder drei Stunden ist mit einem Raucher nur schwer möglich. Der Nichtraucher wird praktisch genötigt, in dieser Zeit seine Arbeit ebenfalls zu unterbrechen. Nicht zu sprechen von dem Geruch, den der Raucher nach seiner Rauchpause wieder an den Arbeitsplatz mitbringt.

Gerne werden verschiedene Argumente an den Haaren herbei gezogen, um zu erklären, dass auch Nichtraucher sich Freiräume schaffen, um ihre Arbeit zu unterbrechen: sei es die Kaffeepause, der Plausch mit der Kollegin in der Teeküche, das private Telefonat, oder die Erledigung privater E-Mails während der Arbeitszeit. Das Problem bei dieser Argumentation ist nur, dass diese Unterbrechungen nicht ausschließlich von Nichtrauchern begangen werden, sondern eben auch von Rauchern, und dass es sich dabei weitestgehend um arbeitsrechtlich zulässige Arbeitsunterbrechungen handelt.

Bei der Diskussion in den Medien hat man oftmals den typischen Büroalltag vor Augen. Dabei gibt es das Phänomen auch in der Produktions- und Dienstleistungswelt. Dort ist das Rauchen am Arbeitsplatz längst nicht mehr gestattet, oftmals werden sogar bestimmte Bereiche zur Verfügung gestellt, wo das Rauchen toleriert wird. Ich bin ja der Überzeugung, dass die Raucherzonen an den Bahnsteigen ursprünglich für die Bahnbediensteten eingerichtet wurden.

Aschenbecher
Aschenbecher

Der einzige Grund, weshalb Raucher sich nach wie vor das Recht herausnehmen dürfen, ihre Arbeit immer wieder zu unterbrechen, um eine durchzuziehen, ist, dass sie ansonsten unausstehlich werden. Deshalb wird das Rauchen in den meisten Betrieben stillschweigend toleriert. Wie tolerant dagegen Raucher sind, habe ich selbst erfahren dürfen. Auf meine Bitte, die Teeküche zu Beginn der Mittagspause doch nicht zuzuqualmen, und mit dem Rauchen bis nach dem Essen zu warten, wurde ich angefeindet und aufgefordert, mein Essen doch außerhalb der Küche einzunehmen, wenn mich das störte. Blähungen in der Küche werden allerdings auch von Rauchern sehr wohl als Geruchsbelästigung wahrgenommen! Ist am Ende die Toleranz gegenüber Rauchern doch eine Geschmacksfrage?

Wir müssen endlich wieder toleranter werden: Raucher sind kranke Menschen, die fast alle Symptome einer Suchtkrankheit aufweisen (ebenso wie Alkoholiker, von denen im Übrigen kaum einer redet, wohl weil sie mit ihrem Trinkverhalten nicht so massiv Gerüche emittieren). Ein gesetzliches Rauchpausenverbot allerdings ist ungefähr so wirksam, wie ein Niesverbot bei Erkältungen. Deshalb wären Angebote sinnvoll, die Raucher dazu anleiten, wie sie ihren Zigarettenkonsum reduzieren können.

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