Die Wahrheit über die Preiserhöhung der Bahn zum 11.12.2011


Seit etwa vier Jahren pendle ich mehr oder weniger regelmäßig mit der Bahn zwischen München und Mannheim. Mit einer Entfernung von ca. 350 km eignet sich diese Strecke nicht, um mit dem Auto zu fahren. Die Kosten mit dem PKW sind wesentlich günstiger, jedoch ist der Zeitvorteil geringfügig und der Komfort überwiegt, wenn man mit der Bahn pünktlich reisen kann.

Obwohl ich Bahnkunde bin, hält die Bahn es nicht für notwendig, mir persönlich die Preiserhöhung zu erklären. So darf ich den Medien entnehmen, dass die Preise für Bahnfahrten im Schnitt um 3,9 % erhöht wurden. Nebenbei wurde auch der Preis für die Bahncard erhöht und – ganz besonders ärgerlich – der Preis für Reservierungen einheitlich auf 4 Euro pro Fahrt und max. einen Anschlusszug festgesetzt.

All diese Preisspielereien sind absolut uninteressant, denn für mich zählt, was ich gestern bezahlt habe, und was dasselbe heute kostet. Und da komme ich auf eine Preissteigerung von insgesamt 7,10 %. Wie sich das errechnet erkläre ich gleich. Entscheidend sind nicht die einzelnen Preiserhöhungen oder -reduzierungen, sondern der Fahrgasttyp und das Reiseverhalten. Oder anders formuliert: Wie wirkt sich die Preiserhöhung auf diejenigen aus, die regelmäßig mit der Bahn fahren? Hierzu müsste man aber das individuelle Buchungsverhalten kennen, denn nur so ließe sich auf die tatsächlichen Preisanpassungen einen treffende Aussage formulieren.

Nachfolgende Tabelle zeigt die Preisentwicklung bei der Bahn seit Ende 2008 aufgeschlüsselt nach den Kosten für die eigentliche Fahrt, die Reservierung und die Bahncard 50:

Kostenentwicklung München-Mannheim mit der Bahn seit 2008
Kostenentwicklung München-Mannheim mit der Bahn seit 2008

*Im Jahr 2009 trat Bahnchef Rüdiger Grube an, und verkündete in 2010, dass es für 2011 keine Preiserhöhung gäbe. Wir erinnern uns noch sehr gut an das Chaos im Sommer 2010 mit den Klimaanlagen und das Chaos mit dem immer wieder überraschend eintretenden Winter, den extremen Verspätungen durch eingefrorene Weichen, fehlende Ersatzzüge, verzögerte Lieferungen, etc. pp. In solch einem desaströsem Jahr noch die Preise zu erhöhen wäre vermutlich Herrn Grube nicht sehr gut bekommen.

Ich rechne in meinem reelen Beispiel mit 35 Fahrten pro Jahr – aufgrund der besonderen Konstellation mit der Aussetzung der Preiserhöhung 12/2010 würde sogar bei mehr als 35 Fahrten pro Jahr eine höhere Preissteigerung in 12/2011 herauskommen! Der Gesamtpreis errechnet sich aus der Summe der Fahrtkosten, der zweifachen Reservierungskosten und dem 35stel des Preises der Bahncard. Unter Berücksichtigung dieser Summe ergibt sich rein rechnerisch eine Erhöhung von 7,1 %. Aus der Tabelle wird ersichtlich, dass die Nullrunde in 12/2010 mit der neuerlichen Preiserhöhung in 12/2011 zum größten Teil kompensiert wurde.

Da die Züge immer voller werden, und damit eine Reservierung zu bestimmten Zeiten durchaus sinnvoll ist, ist die Erhöhung der Reservierungskosten besonders ärgerlich. Durch die Verknappung des Angebots sinkt der Komfort und gleichzeitig steigt die Notwendigkeit einen Platz zu reservieren.

Interessant ist auch die Preisentwicklung über die Jahre seit 11/2008 zu sehen. Würde man eine Inflationsrate von durchschnittlich 3 % pro Jahr annehmen kommt man weder bei drei noch bei vier Jahren auf die gesamt gesehenen 15,28 %. Die gestiegenen Personal- und Energiekosten, die als Argument herhalten müssen, können das m. E. nicht erklären. Speziell die Energiekosten sind ein beliebtes Argument, um Preiserhöhungen zu rechtfertigen. Dass Energiekosten ggf. steigen, ist unbestritten, aber wie sich diese gestiegenen Kosten auf den Preis auswirken, ist ein Geheimnis, das die Bahn erst einmal lüften müsste, um damit zu argumentieren.

Advertisements

Ein Kommentar zu „Die Wahrheit über die Preiserhöhung der Bahn zum 11.12.2011

  1. Ich hingegen bin von der Preiserhöhung deutlich weniger betroffen. Ich habe meist im Reisezentrum reserviert, da ich dort auf die Comfort-Plätze zugreifen kann. Wird billiger.

    Außerdem finden 90% meiner Fahrten im maximalen Preisgefüge statt. Und das erhöht sicht mit Bahncard 50 nur leicht von 64,50 Euro auf 66 Euro.

    Somit kostet mich eine Fahrt inkl. Reservierung nun 70 statt 69 Euro.

    Gefällt mir

Was meinst Du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s