Offensichtlich muss es wirklich schwierig sein, mit Objective C Anwendungen für iPhone, iPad und Co. zu programmieren. Wenn es nicht Apps gäbe, die auf höchstem Niveau rangieren, dann könnte man es vielleicht sogar glauben. Dass Facebook es nun seit mehr als einem Jahr nicht schafft, eine funktionierende App zu programmieren, verwundert.
Nachdem ich die App vor einigen Monaten wegen diverser Unzulänglichkeiten von meinem iPhone gelöscht hatte, wurde ich gestern wieder beim Besuch auf Facebook mittels Safari darauf aufmerksam gemacht, doch die neue überarbeitete und tolle Facebook App auf mein iPad zu laden. Ich hatte wirklich gehofft, dass die Kinderkrankheiten beseitigt seien. Fazit nach wenigen Minuten: am besten gleich wieder löschen.
Zunächst fällt auf, dass die App offensichtlich dieselbe ist, wie sie auch auf dem iPhone eingesetzt wird – also von wegen “it’s the best of Facebook – on your iPad.” Es ist immerhin erstaunlich, dass die App mitbekommt, dass das iPad im Querformat eingesetzt wird – aber sie ist nicht in der Lage, im Querformat die Informationen vollständig anzuzeigen. Hilfe gefällig, was die neue Facebook App alles Neues zu bieten hat? Klar, aber bitte nicht im Querformat!
Möchte man einen Beitrag kommentieren, blendet sich rechts ein Bereich ein, in welchem der Kommentarthread dargestellt ist – dabei bleiben ca. zwei Drittel der verfügbaren Fläche ungenutzt. Von dem verfügbaren Drittel steht ganz unten eine Minizeile für die Eingabe eines Kommentars zur Verfügung.
Jetzt blendet sich allerdings die nicht ganz kleine Tastatur des iPad ein und schnappt sich die Hälfte der Fläche. Nun wird’s aber richtig eng: Thread und Eingabe haben jetzt weniger als 1/6 der Fläche zur Verfügung. Allerdings wird in dem Drittel auch noch ein Teil auf der rechten Seite abgeschnitten, und auch der Senden Button wird überdeckt. Das Eingabefeld vergrößert sich bei Eingabe auf immerhin fünfeinhalb Zeilen und nutzt dabei insgesamt weniger als 1/18 der insgesamt verfügbaren Fläche!
Den eigenen Status zu posten und dabei die Internetverbindung zu verlieren ist weniger gut. So wird der “Posten” Button zwar deaktiviert, aber auf die einzige Option, nämlich abzubrechen, folgt die Frage, ob man sich sicher sei, dass man abbrechen möchte. Ja was denn sonst, wenn nichts Anderes geht? Automatisches Kopieren in die Zwischenablage? Fehlanzeige, das wäre zu komfortabel. Der aufmerksame Leser hat es gemerkt: einmal heißt der Button Posten einmal heißt er Senden – warum das so ist, weiß der Himmel. Mit Usability hat das allerdings nichts zu tun.
Im Übrigen ist nicht ganz ersichtlich, weshalb die App nicht in der Lage ist, eine fehlende Internetverbindung zu klassifizieren. So folgt die lapidare Auskunft:
Leider ist etwas schief gelaufen. Ja, das passiert bei Facebook öfters, dass etwas schief läuft.
So kündigte Facebook vor ein paar Tagen an, in naher Zukunft Werbung in die Neuigkeitenliste einzublenden. Kaum publiziert mehrten sich die Stimmen auf Facebook, die sich darüber beschwerten, dass plötzlich keine Kommentare mehr angezeigt würden, dabei war die Funktion noch gar nicht aktiv. Ein technsiches Problem – mal wieder. Tatsächlich waren die Kommentare gespeichert worden, nur eben nicht mehr sichtbar. Stunden später konnte man die Kommentare, die die Nutzer zwei oder dreimal eingegeben hatten, bewundern – und die verbalen Verärgerungen über das Nichtfunktionieren.
Die Teilen Funktion sucht man bei der Facebook App vergeblich. Dafür hat Facebook viel Wert darauf gelegt, dass die Sortieren Funktion an prominenter Stelle zur Verfügung steht. Schon seit einiger Zeit wundert man sich, dass man bei der Desktop Version täglich immer aufs Neue die Sortierung auf den bevorzugten Wert einstellt werden muss (Default scheint “Hervorgehobene Meldungen” zu sein, “Neueste Meldungen zuerst” halten nicht länger als 24 Stunden). Offenbar scheint durch das Aufrufen von Facebook mittels mobiler Geräte die Einstellung immer wieder überschrieben bzw. gelöscht zu werden.
Man kann jetzt natürlich lamentieren, dass es sich um eine kostenlose Software handelt, und durch die Nutzung kein Rechtsanspruch darauf entsteht, dass die Facebook Anwendung oder die App fehlerfrei funktionieren. Was aber wirklich bedenklich stimmt, ist die Vermutung, dass die Programmierer Dilettanten sind, und dass die Beteuerungen seitens Facebook, verantwortungsvoll mit den Daten ihrer Nutzer umzugehen, angesichts dieser offensichtlichen Unzulänglichkeiten, nicht ernst genommen werden können.
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